Wer ist frei von Schuld


Tausend Teufel: Kriminalroman – Als Broschiert erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft

Inhalt:

Dresden, 1947. Es ist bitterkalt, die Stadt kämpft mit ihren Trümmern, die der Krieg ihr gelassen hat, die zerstörten Gebäude und den seelischen Trümmern. Die russischen Besatzer machen es den Menschen nicht gerade einfach.

Und dann werden Heller und Oldenbusch werden gerufen, weil ein russischer Soldat offenbar ermordet wurde. Ganz in der Nähe findet sich dann auch noch ein ominöser Rucksack, in dem sich ein abgetrennter Kopf befindet. Hellers Ermittlernase schlägt Alarm, doch wird alles -wieder einmal- behindert durch die politischen Verstrickungen. Doch Heller wäre nicht er selbst, wenn er sich so leicht mundtot machen ließe.

Doch kämpft er dieses Mal mit ganz anderen Kalibern von Manipulatoren. Jeder will ihn für seine Seite gewinnen, ihn bestechen. Aber so leicht ist ein Max Heller nicht umzustimmen. Oder….

Die Ermittlungen führen ihm das Elend und seine Auswirkungen erneut mehr als deutlich vor Augen und ebenso drastisch auch, dass selbst in solchen Zeiten das Böse nicht schläft oder Rücksicht nimmt. Denn es gibt mehr als eine Leiche…

Meine Meinung:

Wer ist frei von Schuld

Ein zweiter Fall für Max Heller, wie sehr habe ich drauf hingefiebert! Es war schon ein tolles Gefühl, das Buch mit der gleichen Haptik wie den Angstmann in Händen zu halten. Allein dieses Gefühl verursachte eine ungeheure Vorfreude! Was würde den Leser erwarten, was muss Max Heller diesmal sehen, hören, erleben… Aufregung!

Und dann ging es los. Eine Leiche, ein abgetrennter Kopf in einem Rucksack! Bämm! Das war ein Einstieg, der einem gleich mal etwas die Luft nimmt und Herzklopfen beschert. Ich hatte zumindest damit nicht so in der Ausprägung gerechnet. Und am liebsten hätte ich in einem Rutsch durchgelesen, weil es nämlich genauso mitreißend und herzklopfenverursachend weiter geht!

Keine Chance, ich verrate jetzt natürlich nicht, was alles passiert, aber es geht schon sehr rasant zu. Und brutal.

Irgendwann fing ich an zu grübeln. Klar, Nachkriegszeit heißt ja nicht, dass alle sich jetzt lieb haben! Ich musste umdenken. Die Menschen hatten viel verloren, nicht nur Angehörige, nein, auch oftmals wirklich buchstäblich alles, Haus und ihr ganzes Hab und Gut. Da ist es doch nur verständlich, dass sich irgendwo Leute wieder was beschaffen wollen. Und kriminelle Energie gibt es in den unterschiedlichsten Ausprägungen. Wenn man das einmal verinnerlicht hat, versteht man auch ganz schnell das Dilemma von Max Heller selbst.

Er hat seine Prinzipien, was ich total klasse finde, was auch ihn so ausmacht, ihn so sympathisch macht. Aber er hat auch einen Auftrag, einen Job zu erledigen, Verantwortung, für seine Frau, für seinen Kollegen, für die Menschen. Schwierig, da nicht schwach zu werden!

Erneut gelingt es Frank Goldammer auch mich zu überzeugen, wo ich eigentlich Krimis und Thriller lieber lese, die in der Gegenwart spielen. Aber wie er es schafft, einen mit einem Fingerschnipp mit in die Zeit zu nehmen und dort auch zu halten, das ist schon echt große Kunst. Nicht eine Sekunde spürt man den oftmals doch bei Storys, die in dem Zweite-Weltkrieg-Setting spielen, verwendeten erhobenen Zeigefinger. Das ist das große Geheimnis. Und doch kann man sehr gut die Brisanz spüren, die Nöte, die Ängste der Menschen zu der Zeit. Gleichzeitig ist da wieder der Krimnalfall, der dieses Mal doch recht heftig anmutet, geschickt verwoben mit der Geschichte der Zeit. Einfach nur toll zu lesen!

Die Superlative gehen einem irgendwann aus und wahrscheinlich denken viele auch, ja klar, erzähl Du mal… Wenn Ihr mir nicht glaubt, lest die „Tausend Teufel“ und danach sprechen wir uns wieder 😉 Wenn ich könnte, würde ich für diesen Max-Heller-Krimi glatt 6 Sterne mindestens vergeben, weil er so mitreißend, hart, aber eben doch mit viel Empathie für die Menschen geschrieben ist.

Klar ist auch, dass ich mich jetzt schon auf den nächsten Goldammer freu 🙂

Fazit:

Ein klug aufgebauter Kriminalfall im Dresden des Nachkriegswinters 1947, der nichts verschleiert, nichts zurückhält und unsagbar spannend bis zum Schlus bleibt. Sehr empfehlenswert!

Bewertung:

5 von 5 Nilpferden

Diese Kritik wurde verfasst am 27.11.2017 09:28

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